Rothenburg ob der Tauber

Im Zeitalter der Reformation waren die pittoreske Stadt hoch über der Tauber und ihr Umland Schauplatz dramatischer Ereignisse. Frühe reformatorische Strömungen gipfeln im blutigen Bauernkrieg von 1525 mit Plünderungen und Bilderstürmen im Umland. Nach der Niederlage gegen den Schwäbischen Bund kehrt Rothenburg zum Alten Glauben zurück, die Anführer der Aufstände werden hingerichtet. Es benötigt einen Generationenwechsel, um die Ereignisse zu verarbeiten und sich erneut lutherischen Lehren zuzuwenden. 1544 wird die Reformation dann maßgeblich durch Johannes Hornburg, der in Wittenberg studiert hatte, durchgeführt.
Bedeutende Reformatoren wirkten in Rothenburg: Während des ersten reformatorischen Intermezzos fand Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, in den Mauern der Stadt Zuflucht. Der "Luther Sloweniens", Primož Trubar, predigte in der Spitalkirche und verfasste hier mit der Übersetzung des Katechismus das erste Buch in slowenischer Sprache. Der bedeutende Theologe Jakob Andreä erarbeitete Rothenburgs neue Kirchenordnung.

Die Entscheidung für den Protestantismus wirkte sich noch auf viel spätere Ereignisse aus: Während des Dreißigjährigen Krieges stellte sich die Reichsstadt - eigentlich unmittelbar dem Kaiser untertan - auf die Seite der Protestantischen Union. 1631 hatte dies die Belagerung und Einnahme der Stadt durch kaiserliche Truppen zur Folge.

Noch heute ist Rothenburg durch das weitgehend erhaltene mittelalterliche Stadtbild geprägt: Romantische Gassen mit Fachwerk- und Patrizierhäusern, die imposante gotische Jakobskirche mit ihren vom Bildersturm verschonten Kunstschätzen wie dem Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider und die mit zahlreichen Türmen bewehrte Stadtmauer zeugen vom Reichtum und der Bedeutsamkeit der ehemals freien Reichsstadt im Mittelalter. Aber auch Renaissance-Bauten wie das Jakobs-Schulhaus und das prächtige Rathaus sind hier zu finden und verbildlichen den Einzug des Humanismus im 16. Jahrhundert.


   

Informationen:

Rothenburg Tourismus Service
Marktplatz 2
91541 Rothenburg ob der Tauber
Telefon 09861 / 404-800
Fax 09861 / 404-529
www.tourismus.rothenburg.de
info(at)rothenburg.de




"Zauberhaftes Glas" - Die Reformationsfenster in St. Jakob Rothenburg o.d. Tauber

Publikation von Helmut Ballis mit Bildern von Willi Pfitzinger

Auszug aus dem Grußwort des Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm:

"Die beiden kunstvoll gestalteten Reformationsfenster dienen nicht der evangelischen Heiligenverehrung. Es ist die Botschaft, die durch die Reformatoren wieder zu neuem Leben erweckt wurde. Sie steht im Mittelpunkt und möchte die Menschen, die auf die Fenster sehen, darauf aufmerksam machen oder daran erinnern: "Gottes Wort bleibet in Ewigkeit."

Bei genauem Zusehen zeigt sich, dass die Reformation die Biografie von Millionen Menschen geprägt hat und weiterhin prägt. Das wirkt nach in den Gottesdiensten vieler Konfessionen, es bestimmt die Beziehung zu Welt und Wissenschaft, zu Arbeit und Freizeit, zu Festen und Feiern. Sodann prägt es das Kircheninnere. In St. Jakob ist es auf Schritt und Tritt zu erleben.
Die Anliegen der Reformation finden sich im Luther- und Melanchthonfenster in St. Jakob in Rothenburg. Diese Reformationsfenster gestalteten der Nürnberger Künstler Stephan Kellner und die Münchner Hofglasmalerei Zettler. Vor genau 100 Jahren wurden sie fertig gestellt.
Auf diesen Glasfenstern sind all die zu sehen, die an der Reformation maßgeblich beteiligt waren. Unter einem über allem thronenden Lutherbildnis sind sowohl der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise und der Landgraf Philipp von Hessen, die Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin als auch der Humanist und Großonkel Melanchthons, Johannes Reuchlin, zu sehen. Besonders bemerkenswert ist, dass sich auf dem Glasfenster ein Bild vom Bürgermeister Johannes Hornburg, dem Reformator Rothenburgs, befindet.

Literatur Rothenburg


Führungen zu den Glasfenstern in St. Jacob gibt es auf Anfrage.

Themenführung für Gruppen zu den Glasfenstern in St. Jakob gibt es auf Anfrage.
Hierbei bilden die Reformationsfenster einen Bestandteil der Führung.
Infos und Buchung im Pfarramtsbüro unter der Nummer 09861-7006-20 oder bei Gästepfarrer Oliver Gussmann unter Tel. 09861-7006-25.
Sie können eine Kirchenführung auch online buchen:

www.gaesteanmeldung-stjakob.de

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